Eine Besonderheit der Bodenform der Region von Ierapetra ist die Schlucht von Ha, neben dem Dorf und den minoischen Ruinen der Basilika. Sie gilt als eine der wildesten Schluchten in Griechenland, ein seltenes morphologisches Phänomen der Natur, das nur durch einen endogenen Faktor, wie Tektonik geschaffen werden könnte. Somit wurde nach Ansicht der Geologen diese karstige Bildung auf einen großen aktiven Riss geschaffen.

Der Name stammt etymologisch aus dem Verb „hasko“, das heißt ich bilde eine Spalte, Öffnung und tritt auch bei anderen Schluchten auf (Havgas, Hafgoudi etc.). Nach einer seltsamen Legende steht der Name Ha, in Zusammenhang mit dem  Dorf „Gras“ die heutige Ortschaft von Agios Stefanos. Man erzählte dass es in Agios Stefanos eine Festung gab, die die Sarazenen versucht hatten zu erobern. Eine alte Frau die um die Festung herumzog hat  tapfer mit ihrem Schwert gegen die Sarazenen bis zur Erschöpfung gekämpft. Sie wurde verhaftet und man fragte sie wo der geheime Eingang wäre um die Festung zu erobern. Die alte Frau führte sie in eine unterirdische Höhle und zeigte ihnen den stockfinsteren Eingang. Die Sarazenen befahlen der alten Frau zuerst herunterzugehen. Sie griff die Steine ​​mit beiden Händen, hing sich ins Leere und begann mit langsamem Schritt herabzusteigen. Sie rutschte und versuchte so weit wie möglich nach unten zu sinken. Die Sarazenen folgten ihr. Als alle herabgestiegen waren rief die alte Frau „kommt wieder hier“! Nach diesem Aufschrei ließ der Letzte seine Hände los, rollte ins Leere und riss auch die anderen mit sich. Die alte Frau wurde auch mitgezogen und fing an zu lachen da sie sah dass ihr Zweck sich erfüllte hatte. Allerdings bestand kein Boden unter dem Loch und dieser war mit einem anderen Loch verbunden, der in der Schlucht Ha existierte. Somit hörten die Anwohner der Region das „ha, ha, ha,“  der alten Frau das aus der Schlucht kam. Seitdem erhielt die Schlucht  den Namen Ha. Nach einer anderen Legende wird die Geschichte der Schlucht anders interpretiert. Ein Schäfer führte ein Paar von Ochsen von der Pahia Ammos in seiner Tenne. Während die Ochsen an der Mündung der Schlucht vorbeigingen, wurden sie müde und haben sich auf dem Boden gelegt.  Dann fing der Schäfer an  Ha …. Ha …  zu rufen damit die Tiere aufstehen. Seine Stimme verursachte ein Echo in der Schlucht, das ‚ha‘ wurde von tausenden Mündern gehört  und seitdem wird sie von den  Anwohnern die Schlucht „Ha“ genannt.

Man könnte sagen, dass die Schlucht ein unberührter vom Menschen Biotop ist, da seine Morphologie es keinem erlaubt es besser kennenzulernen, es zu durchqueren oder zu nutzen. Die Ersten, die sie im Jahr 1987 durchquert haben, waren drei Bergsteiger aus Thessaloniki, erfahren und abenteuerlustig, der Stavros Lazaridis, der Vlassis Hatzipanagiotou und Chronis Amatzidis, die sieben Tage gebraucht haben. Heute ist die Schlucht gesichert und ein himmlisches Ziel für Canyoning. Die Schlucht verfügt über etwa 33 Seile (Rappel), das größte hat eine Höhe von 35 Metern. An einigen Stellen ist sie sehr eng, nur wenigen Zentimeter breit, was sie unterscheidet. Im letzten Drittel der Schlucht strömt ein 215 Meter hoher Wasserfall, der die Wassermenge der Schlucht ziemlich erhöht. Es kommt öfters das Phänomen vor dass bis zu diesem Zeitpunkt, die Schlucht  Ha trocken ist und dann mit  großen Mengen an Wasser gefüllt wird. Der Wasserfall ist der größte von Griechenland und liegt am Ende der Nebenschlucht Mastoras.

Der Eingang ist sehr eng, etwa drei Meter während nach oben die Mündung breiter wird. Ihre Breite ist an vielen Stellen nur dreißig Zentimeter und an anderen überschreitet sie nicht die drei Meter. Rechts und links ragen ihre riesigen Wände hervor mit einer Höhe von 200 bis 400 Metern. Vor den (unteren) Eingang, gibt es einen kleinen Teich, der von einem kleinen Wasserfall gebildet wird, der wiederum von einem anderen Teich, der nicht sichtbar aus der Unterseite der Schlucht ist, in größerer Höhe gebildet wird. Man kann ihn bewundern wenn man vorsichtig auf die Felsen klettert links der Öffnung. Besonders beeindruckend sind die Felsen mit den gemischten kräftigen Farben. Im Innern befinden sich mehrere solche Teiche, die  Wasserfälle während der Winterzeit bilden. Dann ist auch die beste Zeit, um die Schlucht zu besuchen und  Canyoning zu tätigen. Indem sich der Besucher der Schlucht annähert wird er von Ehrfurcht ergriffen. Die grauen Felsen, quadratisch oder rechteckig, ragen majestätisch hervor und decken mit ihren Schatten das kleine Tal  das sich vor ihnen erstreckt.

In der Nähe von Ha befinden sich die steingebauten Wassermühlen, die jetzt menschenleer sind, Denkmäler einer vergangenen Epoche. Eine Legende besagt, dass in den Eingeweiden des Chaos, im Herzen von Ha,  ein goldener Wagen begraben ist, der von goldenen Pferden gezogen wird. Und die Seile sind aus Gold, geschmückt mit Diamanten. Sie glitzern so in der Sonne dass Kreta geblendet wird wenn ein tapferer Kreter den goldenen Wagen findet. Damit sich jemand dort begibt wo es sich befindet muss er mit Seilen gebunden werden und vom Felsen heruntergleiten.

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